Nach ungefähr 20 Jahren ohne Rennen wieder an einer Startlinie zu stehen, fühlt sich irgendwie gleichzeitig vertraut und komplett neu an. Früher ging es für mich (Joschy) vor allem um Cross Country und Marathonrennen. Dieses Mal stand allerdings etwas ganz anderes auf dem Programm: Downhill.
Und zwar beim zweiten Rennen der auner Austrian Gravity Series am Weissensee.
Downhill am Weissensee
Das Rennen am Weissensee hat sich bereits letztes Jahr einen Namen gemacht. Die Strecke gilt als besonders naturbelassen und technisch abwechslungsreich. Für 2026 wurde sie zusätzlich erweitert und um neue Passagen ergänzt. Gefahren wird dort nicht auf klassischen Bikepark-Linien, sondern auf einer Mischung aus Waldtrail, Wurzeln, losen Steinen, Wiesenpassagen und gebauten Elementen. Die Strecke führt über ungefähr zwei Kilometer und knapp 400 Höhenmeter bergab.
Warum überhaupt selbst wieder Rennen fahren?
Für mich persönlich ging es an diesem Wochenende aber nicht nur darum, selbst wieder Rennen zu fahren.
Ein wichtiger Grund ist auch, die Kinder und Jugendlichen im Team später besser begleiten zu können. Gerade im Downhill lernt man unglaublich viel direkt auf einem Rennwochenende, nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch und mental.
Wie fühlt sich ein Trainingstag an?
Wie läuft ein Seeding ab?
Wie viel Kraft kostet ein Rennlauf wirklich?
Wie verändert sich eine Strecke im Laufe des Tages?
Wie geht man mit Nervosität oder einem Sturz um?
Viele dieser Dinge versteht man erst richtig, wenn man selbst wieder mitten im Geschehen steht.
Dadurch wird es langfristig auch einfacher, die jungen Fahrerinnen und Fahrer gezielter zu coachen, sowohl bei Trainings als auch direkt an einem Rennwochenende. Gemeinsam Trainingsläufe fahren, Linien besprechen oder direkt nach einem Lauf Feedback geben, funktioniert viel besser, wenn man die Situation selbst kennt.
Zurück auf einer Rennstrecke
Die letzte aktive Rennphase liegt für mich lange zurück. Damals allerdings auf XC-Bikes, Lycra und langen Anstiegen. Nicht mit Fullface-Helm, Protektoren und Downhill-Bike.
Umso überraschender war für mich selbst, wie gut der Seeding Run lief. Trotz wenig Downhill-Rennerfahrung konnte ich mich mit der fünftschnellsten Zeit von acht Startern in eine gute Ausgangslage bringen.
Im Finale lief es dann leider nicht ganz nach Plan.
Da beim Weissensee-Wochenende gleichzeitig mehrere Rennklassen unterwegs waren, kam es auf der Strecke zu beziehungsweise langsameren Fahrern aus anderen Disziplinen. Dadurch musste ich mehrfach die Linie wechseln und stürzte in meinem Lauf gleich zweimal.
Am Ende wurde daraus Platz 7 von 8 im Finale.
Natürlich wäre mit einem sauberen Lauf deutlich mehr möglich gewesen, trotzdem überwog nach dem Rennen vor allem eines: die Freude, überhaupt wieder Rennen zu fahren.
Viel wichtiger als Ergebnisse
Noch emotionaler war das Wochenende allerdings bei Jona.
Im Seeding stürzte er relativ schwer und musste danach erst einmal wieder Vertrauen aufbauen. Gerade im Downhill ist das oft schwieriger als die Technik selbst. Nach einem Sturz wieder am Start zu stehen, kostet meist mehr Überwindung als eine schnelle Zeit zu fahren.
Trotzdem entschied er sich, im Finale erneut zu starten.
Ab diesem Moment ging es nicht mehr um Platzierungen oder Sekunden. Es ging nur noch darum, wieder herunterzufahren, sich wieder zu trauen und Schritt für Schritt Sicherheit zurückzugewinnen.
Und genau das machte seinen Final-Lauf wahrscheinlich stärker als jede gute Platzierung.
Seine Ergebnisse:
- Seeding: 13 / 15
- Finale: 12 / 15
Lernen, Rennen, Erfahrung sammeln
Gerade im Nachwuchsbereich merkt man schnell, wie viel Erfahrung im Downhill eigentlich ausmacht. Linienwahl, Blickführung, Bremsverhalten, Ruhe auf dem Bike und Vertrauen entwickeln sich nicht von heute auf morgen.
Genau deshalb sind Rennen wie die auner Austrian Gravity Series für junge Fahrerinnen und Fahrer extrem wertvoll. Man lernt nicht nur das schnelle Fahren, sondern auch den Umgang mit Druck, Nervosität, Stürzen und unterschiedlichen Streckenbedingungen.
Für uns als neues Bike Team Haus war das Wochenende deshalb trotz aller Stürze und Fehler ein wichtiger Schritt.
Denn am Ende geht es momentan weniger um Ergebnisse als darum:
- Erfahrung sammeln
- sicherer werden
- gemeinsam lernen
- und vor allem Spaß am Sport behalten
Und genau dafür war das Wochenende am Weissensee ziemlich perfekt.

Joschy Rausch · Sektionsleiter Radsport (SPORTUNION Haus im Ennstal)






